Der künstlerisch-handwerkliche Unterricht

Im Laufe der Menschheitsentwicklung wurde im einzelnen Menschen ein nahezu unerschöpfliches Potential an Möglichkeiten angelegt. Diese Anlagen und die entsprechenden Organe werden durch ihre Verwendung geweckt und ausgebildet. Geschieht dies nicht, so verkümmern sie.
Bei der Betätigung unserer Sinne hat das „Be-greifen“ mit unseren Händen eine herausragende Bedeutung, da deren Wahrnehmungen und Erfahrungen auch von anderen Sinnen übernommen werden. Dies führt zu einem inneren Bild, dem „Be-griff“, der die Grundlage unseres Denkens bildet.
Im künstlerisch-handwerklichen Unterricht der Waldorfschule werden die Sinne der heranwachsenden Menschen von einer Vielfalt an Materialien und dem handwerklichen Umgang mit deren Eigenschaften herausgefordert.
Durch das Zusammenspiel eigener Erfahrung und der Korrektur, die sich in den Bedingungen des Materials und der Aufgabenstellung gründet, lernen die Schüler in ihre eigenen Möglichkeiten hineinzufinden. Sie schulen und verfeinern dabei ihre Wahrnehmung, erleben Zusammenhänge und schaffen sich dadurch eine Grundlage für ihre Urteilsfähigkeit und ein freies Denken.
 

Angelika Deffner, Handarbeit und Michael Tampe, Werklehrer 

Der Handarbeitsunterricht

Im Handarbeitsunterricht werden in den Klassen 1 bis 8 für alle Schüler die Grundfertigkeiten des Strickens, Häkelns, Stickens und Nähens vermittelt. Dabei wird durch zielgerichtete Bewegung nicht nur die Feinmotorik geschult und damit die Lernfähigkeit unterstützt, es werden auch die Konzentrationsfähigkeit, die Sozialkompetenz und die Kreativität des einzelnen Kindes gefördert.
Die Werkstücke sind so gewählt, dass sie im Alltag Verwendung finden. Ein besonderes Augenmerk wird auf die künstlerische Gestaltung und die altersgemäße Umsetzung der Techniken gelegt. Verschiedene Projekte, der Jahreszeit entsprechende Arbeiten mit unterschiedlichen Materialien und Einblicke in die berufliche Welt der Handwerker ergänzen den Unterricht.
In Klasse 9 folgt eine Einführung in das Schneidern, welches im Rahmen des handwerklich-künstlerischen Unterrichtes als Epoche gegeben wird.

Fachkollegium der Handarbeit, (Angelika Deffner, Vanesse Dorfer, Heide Schechinger, Angelika Traßl

Der Gartenbauunterricht

Das Unterrichtsfach Gartenbau ist an unserer Schule ein fester Bestandteil des handwerklichen Unterrichtes in der Mittelstufe (Klassen 6 bis 8). Er findet in kleinen Gruppen (ca. 10 bis 12 Schüler) mit je einer Doppelstunde wöchentlich im Schulgarten statt. Der Schulgarten umfasst ca. 5.500 qm und ist mit einer Gartenhütte sowie einem Gewächshaus als regenfeste Unterrichtsräume ausgestattet.
Innerhalb des Schulgartens gibt es viele Gelegenheiten, sich mit den Naturzusammenhängen auseinanderzusetzen und zu verbinden. So beginnen die Schüler in der 6. Klasse mit den grundlegenden Gartenarbeiten wie der Ernte, der Beetvorbereitung und den ersten Aussaaten im Frühbeet zw. Gewächshaus. Diese „angenehm“ zu bearbeitenden Beete werden von den 6.-Klässlern auch im folgenden Frühjahr und Sommer bewirtschaftet. Im Winterhalbjahr stehen dann das Binden von Adventskränzen, das Kerzenziehen, das Rebeln von Kräutern und die Herstellung von Kräutersalz an.
Die 7.-Klässler bearbeiten im Sommerhalbjahr zu zweit ein eigenes Beet. 2/3 des Beetes sind für die Schulküche, 1/3 dürfen die Schüler mit Pflanzen ihrer Wahl bestellen. Die meisten Schüler nehmen diese Verantwortung von der Aussaat bis zur Ernte mit viel Spaß und Eifer an!
Die Schüler der 8. Klasse arbeiten projektbezogen an festen Themen in festen Gruppen. Hierbei stehen die Crème-Herstellung, das Sammeln und Verarbeiten von Obst und Kräutern, der Bau einer Pergola, eines Hochbeetes, bzw. eines Pizzaofens, Geländearbeiten und Reparaturarbeiten (Projektgruppe „Technik“) im Mittelpunkt.
Grundsätzlich lernen die Schüler ihre Beobachtung durch bewusste Wahrnehmung zu schulen. Dies wird im Gartenbaubuch durch zeichnerische Übungen vertieft. Die Arbeit in Kleingruppen von 3 bis 5 Schülern „feilt“ am Sozialverhalten: müssen doch Arbeitsabläufe gemeinsam vorbereitet werden, Werkzeug bereitgestellt, von Hand in die Hand gearbeitet und der Arbeitsplatz („ööhh, muss das ein!“) wieder aufgeräumt werden. Die Geschicklichkeit sowie der umsichtige Umgang mit scharfen, spitzen Werkzeugen sind gefordert.
Zum Schluss des Unterrichts gibt es Genussproben mit leckeren Dingen aus dem Schulgarten!

Rupert Bauer, Gartenbau 

Kochen und Ernährungslehre

Das Kochen wird in der 8. Klasse für alle Schüler in kleinen Gruppen unterrichtet mit dem Ziel, Grundkompetenzen im Bereich der Nahrungszubereitung zu vermitteln.
Neben der Ernährungslehre, die ein Bewusstsein für die bedarfsgerechte Zusammenstellung der Nahrung vermitteln soll, steht die sachgerechte Ausführung der verschiedenen Zubereitungstechniken im Vordergrund. Dabei sind die Planung und Durchführung der einzelnen Arbeitsschritte ebenso wichtig wie die Arbeitssicherheit und Lebensmittel-Hygiene. Besonderer Wert wird auf die Verarbeitung hochwertiger, aus ökologischem Anbau stammender Lebensmittel gelegt, die der Jahreszeit entsprechend verarbeitet werden.

Angelika Traßl, Hauswirtschaftsmeisterin