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Schulkonzepte

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1. Der Waldorfabschluss - Begeisterung für selbständiges und angeleitetes Lernen wecken

Nicht gefragt soll werden: „Was braucht der Mensch zu wissen und können für die soziale Ordnung, die besteht, sondern: Was ist im Menschen veranlagt, und was kann in ihm erweckt werden? Dann wird es möglich sein, der sozialen Ordnung immer neue Kräfte aus der herauswachsenden Generation zuzuführen.“ (Rudolf Steiner, Aufsätze zur Dreigliederung des sozialen Organismus und zur Zeitlage GA 24).

Welche Art von Abschluss soll die Waldorfschule angesichts dieser Anforderung anbieten? Die Waldorfschule betrachtet den Menschen als Selbstzweck und fördert die umweltoffene Selbstführungsfähigkeit in Denken, Fühlen und Tun. Die Freiheit der Selbstbestimmung ist zugleich soziale Verantwortung.
Unter welchen Bedingungen entstehen Umweltoffenheit und Selbstführungssicherheit? Sicher nicht in einem Milieu, das sich zweckrational an den Ansprüchen der heutigen Leistungsgesellschaft orientiert, denn deren Normen und Inhalte wären veraltet, bis der junge Mensch als Erwachsener in seine Lebenswelt tritt. Eine Selektion auf Grund von Leistung lehnen wir ab, denn
Leistung nur um der Leistung und des eigenen Vorteils willen führt zu einem egoistischen und autistischen Verhalten in den Klassen und in der Gesellschaft. Elternhaus und Schule versuchen gemeinsam günstige Bedingungen für die Entwicklung dessen, was im jungen Menschen veranlagt ist, zu schaffen. Sie dienen der Selbstwerdung und schützen den jungen Menschen vor falschen Ansprüchen der „objektiven Mächte“ Staat und und Wissenschaft. Nicht Wissensvermittlung ist die primäre Aufgabe der Waldorfschule, sondern Begeisterung für selbständiges und angeleitetes Lernen zu erhalten und zu entwickeln.
Entsprechend kann ein Abschluss an der Waldorfschule nicht darin bestehen, dass nach einem zentralisierten verobjektivierten Examen den Schülern nach der Rangfolge der erbrachten Leistungen eine Art Reife zugesprochen wird und die besten Leistungen mit Preisen belohnt werden. Sondern der Heranwachsende bringt freiwillig eine Leistung in einem selbst gewählten Gebiet, indem er z. B. in der 12. Klasse seine Jahresarbeit vor der Schulgemeinschaft darstellt und indem er bei einem Theaterspiel der 12. Klasse oder beim Eurythmieabschluss gemeinsam mit anderen in einem künstlerischen, handwerklichen, intellektuellen und insbesondere sozialen Prozess dienend eine Realität verlebendigt, eine Person darstellt, die er selbst sein kann, aber nicht muss. – Eine Möglichkeit zu sich selbst.
Auch dies stellt eine Art Prüfung dar, nur:

- Niemand wird damit mit anderen verglichen, der Maßstab für jeden Einzelnen kommt aus einem selbst.
- Die Leistung entsteht aus Begeisterung für die Sache.
-
Im Falle des Theaterspiels oder des Eurythmie-Abschlusses ist die Sache schön und damit zweckfrei, sie dient nur sich selbst.

Erich Schneeweiß, Oberstufenlehrer

*****

2. Staatliche Abschlüsse an der Waldorfschule:

- Das Abitur kann im 13. Schuljahr absolviert werden, wobei

a) die gezielte Prüfungsvorbereitung dazu bereits ab der 12. Klasse parallel zum Waldorfunterricht stattfindet;
b) die Jahresarbeit als Teil des Abiturs anerkannt und mit benotet werden kann.

- Der Realschulabschluss (Mittlere Reife) ist am Ende der 12. Klasse möglich.

- Ab der 9. bis zur 12. Klasse ist für Schulabgänger jeweils zum Ende eines Schuljahres die Gleichstellung mit dem Hauptschulabschluss möglich.

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